Noch verborgene Schätze im Boden?

Die „Frankenburg“ steht wieder im Fokus der Wissenschaft

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Noch verborgene Schätze im Boden?

Die „Frankenburg“ steht wieder im Fokus der Wissenschaft

 

Todenmann. Vor über 30 Jahren hat man zum letzten Mal an der Hünenburg in Todenmann – der sogenannten Frankenburg – nach historischen Relikten gegraben und dabei gleichzeitig die Mauerreste stabilisiert. Jetzt ist die Burg aus dem 11. und 12. Jahrhundert erneut in den Fokus der Archäologen gerückt. Dr. Tobias Gärtner, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte der Universität Regensburg wollte mit Studenten von August bis September in der sogenannten Vorburg Grabungen durchführen. Aus verschiedenen Gründen wurde daraus nichts. Doch die Grabungen seien damit lediglich aufgehoben, nicht aufgeschoben, schilderte Gärtner in einem Telefongespräch mit unserer Zeitung. Im nächsten Jahr werde er einen neuen Anlauf nehmen.

Wer heute auf den Wällen der Frankenburg steht, sieht, was 1000 Jahre mit Menschenwerk anstellen können, mit einer Burganlage, aufgebaut aus tonnenschweren Steinen und massiven Holzbalken mit Kapelle, Turm, Palas, Stallungen und Häusern für Burgherrn wie Gesinde – gebaut wie für die Ewigkeit.

Heute sind von der Frankenburg nur Erdwälle übrig geblieben, dazu ein paar Mauerreste, mit modernen Techniken saniert, damit sie nicht auch noch zerfallen. Historiker gehen davon aus, dass die Burg den Pass zwischen dem Wesertal und der großen Aue sichern sollte.

Wer einen Mauerrest erklimmt und in die Burggräben und über die Ringwälle blickt, erkennt heute eigentlich nur noch eins: Wer diese Steilhänge in voller Rüstung hoch gestürmt ist, war oben schon ziemlich außer Puste. Und stand dann vor einer hohen Burgmauer, die er auch noch überwinden musste.

Der Autor und Schaumburger Burgenexperte Hans-Wilhelm Heine hat in seinem Buch über heimische Burgen festgehalten, in den Jahren 1895 und 1897 ist zum ersten Mal an der Frankenburg gegraben worden. 1895 war es der Bückeburger Sanitätsrat Weiss, 1897 war Conrad Plath der Grabungsleiter.

Es existiert von den Grabungen sogar noch ein unscharfes Schwarz-Weiß-Foto mit bärtigen Gestalten hinter umgestürzten Bäumen. Damals dürften die Mauern noch drei bis vier Meter hoch gewesen sein, von denen es heute nur noch Reste gibt.

Nach heutigen Maßstäben sind die Schatzgräber wohl eher dilettantisch vorgegangen. Weder die Funde noch ihre Lage wurden so dokumentiert, wie es heute Standard ist, erläutert Kommunalarchäologe Dr. Jens Berthold im Gespräch mit unserer Zeitung. Man wusste es damals eben nicht besser. Dafür spricht auch, dass viele Fundstücke nicht mehr auffindbar sind, die Fundberichte widersprüchlich.

Gefunden worden sind unter anderem Keramikscherben, Baubeschläge, Messer, Steigbügel, Lanzenspitzen, Spielsteine und Bronzestücke. Im Wohnhaus sollen „ortsfremde“ Steinplatten gelegen haben. Es sind wohl auch Münzen, aus der Zeit von Kaiser Heinrich IV. aus dem Jahr 1080 ausgegraben worden. Numismatiker Hendrik Mäkeler schreibt, es gebe einen Ausgrabungszeugen, der habe berichtet, die Münzen seien so gut erhalten gewesen „wie eben aus der Prägung gekommen“. Wie viele Münzen man gefunden hat, ist nicht mehr bekannt. Verschiedene Funde sind verstreut in Museen untergebracht, so in Berlin, in Bückeburg und wenige Gegenstände auch im Museum in Rinteln.

In den 20er und 30er Jahren hat der Rintelner Paul Erdnis, Oberstudienrat und Kreispfleger für Bodenaltertümer, 1978 Eduard Sindermann noch einmal an der Hünenburg geforscht.

Dr. Gärtner von der Universität in Regensburg, der in Göttingen studiert hat und daher die Hünenburg in Todenmann gut kennt, geht davon aus, dass es hier noch mehr zu entdecken gibt. Vor allem vermutlich in der sogenannten Vorburg, wo ebenfalls ein Turm gestanden haben muss.

Heine schreibt, die Hünenburg sei womöglich im frühen 13. Jahrhundert verlassen worden. Möglicherweise nach einem großen Brand. Denn die ersten Ausgräber hielten in ihren Notizen fest, sie hätten in Kohle verwandelte Dielen gefunden.

Schaumburg war im Mittelalter Burgenland. Die nächste benachbarte Burg zu Todenmann, die erst in jüngster Zeit entdeckt worden ist, war die Burg bei Steinbergen. Insgesamt 35 Burgen listet Heine im Schaumburger Land auf.

Sein Buch, herausgegeben vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Archäologischen Kommission für Niedersachsen, hatte die Schaumburger Landschaft bereits vor zwei Jahren vorgestellt.

Von Hans Weimann

 

Artikel in der Schaumburger Zeitung am 02.10.2014 Seite 9